Unser Studiengebiet – die Kalahari

Leopard Ecology and Conservation arbeitet in der Region des Khutse und des Central Kalahari Game Reserve sowie in der Umgebung des Dorfes Kaudwane. Unser Studiengebiet umfasst ungefähr 15 000 Quadratkilometer. Das Khutse und das Central Kalahari Game Reserve umfassen ein Gebiet von rund 55 000 Quadratkilometern (Karte) und bilden den zentralen Bereich des Kalahari-Ökosystems, das einen grossen Teil Botswanas ausmacht und sich weiter bis Namibia und Südafrika hinein erstreckt.

Oft als Wüste bezeichnet ist die Kalahari eigentlich eine Trockensavanne mit Gräsern und Sträuchern. Der jährliche Regenfall beträgt 150 bis 400 mm, wobei der Regen meist in heftigen Schauern von bis zu 100 mm in 30 Minuten niederprasselt (November bis März). Kurz vor Beginn der Regenzeit im Oktober/November erreichen die Temperaturen Höchstwerte von bis zu 55° Celsius. Im Winter, also im Juni/Juli, kann das Thermometer sogar auf unter 0° Celsius fallen. Der sandige, sehr durchlässige, Nährstoff arme Boden, die geringen, plötzlichen und starken Regenfälle sowie die extremen Temperaturen machen die Kalahari zu einem schwierigen Lebensraum für Mensch und Tier.

In der vorwiegend sandigen Kalahari gibt es entlang der alten fossilen Flussbetten sogenannte „Pfannen“ (pans). Hier ist der Boden mineralstoffreich und lehmig. Dadurch wird das Wasser zurückgehalten und es entstehen natürliche Wasserlöcher, wo Tiere neben nährstoffreichem Gras und Salz auch länger Wasser vorfinden als anderswo. Die Pans üben somit eine grosse Anziehungskraft auf die heimischen Tiere, aber auch für die Menschen, aus.

Auch wenn aufgrund der Bedingungen in der Kalahari nicht so viele verschiedene Tierarten leben wie in anderen Savannen-Ökosystemen, hat sich eine speziell angepasste Fauna und Flora etabliert, wie sie anderswo in Afrika selten zu finden ist: so leben hier zum Beispiel Spiessbock (Oryx gazella), Springbock (Antidorcas marsupialis), Löffelhund (Otocyon megalotis) und auch der Ochsenfrosch (Pyxicephalus adspersus).

Die grösstenteils unberührten Gegenden sind auch Heimat von Raubtieren wie Löwen (Panthers leo), Leoparden (Panthera pardus), Geparden (Acinonyx jubatus), Afrikanischen Wildhunden (Lycaon pictus), Braunen Hyänen (Hyaena brunnea), Karakalen (Caracal caracal) und Schabrackenschakalen (Canis mesomelas).

Auch besondere Baumarten wie die Kameldornakazie (camel thorn,Vachellia erioloba), den Schäferbaum (Shepherd’s tree (Boscia albitrunca) und den “Kalahari Apfelblattbaum” (Kalahari apple-leaf, Philenoptera nelsii) findet man hier.

Besonders ist auch die Vogelwelt: Der Strauss (Struthio camelus) und der schwerste fliegende Vogel, die Riesentrappe (Kori Bustard, Ardeotis kori) , sowie viele verschiedene Raubvögel leben hier.

Seit wohl rund 20 000 Jahren leben Menschen in der Kalahari, das Volk der San. Das Wort San bedeutet soviel wie „jene, die etwas vom Boden auflesen“. Zu den San zählen verschiedene Stämme wie die Batshila, G//ana und Naro. Bis in die 1980er beziehungsweise 1990er Jahre lebten sie als Nomaden in kleinen Familienverbänden als Jäger und Sammler. Aufgrund des niederschlagsarmen Umfeldes, in dem sie leben, haben sie gelernt, die meiste Zeit des Jahres ohne Oberflächenwasser auszukommen.

Heute leben die San mehrheitlich in festen Siedlungen, so wie im Dorf Kaudwane. Zurzeit gibt es noch acht San-Siedlungen innerhalb des Central Kalahari Game Reserves. Dort versuchen sie ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren, obwohl sie inzwischen über einige moderne Extras wie Fahrzeuge, Vieh (Pferde, Esel und Ziegen) und in einigen Fällen über Bohrlöcher verfügen.